Übersehene Kupferhöfe in der Altstadt
06.03.2026 | geschrieben von Christian Altena
Wo Kupferhöfe im Stolberger Tal errichtet wurden, hing zunächst maßgeblich vom Wasser ab. Wasser bildete für die meisten Anlagen als Energiequelle die Betriebsgrundlage. Da die spätere Stadtentwicklung an Verkehrswegen orientiert ist, liegen die meisten Kupferhöfe abseits der Hauptstraßen. Und andererseits weisen die Gebäude wenige oder subtile Finessen auf, die sie als Produktions- und Wohnorte der Kupfermeister kenntlich machen. Man kann also schnell an ihnen unbemerkt vorbeigehen.
Leicht zu übersehen ist der Kupferhof Enkerei in der Enkereistraße. Von der Bachseite rückt das Herrenhaus eindrucksvoll in den Blick. Erstmals erwähnt wurde der Hof 1607, als er im Besitz von Wilhelm Beck war. Die Becks waren eine Aachener Kupfermeisterfamilie, die wie viele andere nach 1598 nach Stolberg emigrierte.
Von da an bis zum Beginn des Dreißigjährigen Kriegs 1618 hielt die erste und intensivste Phase der Kupferhofgründungen in Stolberg an. Wilhelms Verwandter Peter Beck hatte 1582 einen Anteil des Kupferhofes Binsfeldhammer erworben, und auch die Anlage der Enkerei, wohl am ehemaligen Richtplatz, der Henkerei der Unterherrschaft, gelegen, wurde schon Jahre zuvor als Kupfermühle betrieben. Die Becks waren eine wohlhabende, einflussreiche Patrizierfamilie Aachens, wo auch ein solches steinernes Wohnhaus etwas Besonderes war. Bei genauem Hinschauen bemerkt man, dass der kleine Platz der Enkerei einst ein geschlossenes Hofensemble gewesen sein muss.
Der Kupferhof Neuer Bau stammt aus der dritten und letzten kurzen Blütezeit Stolberger Messingproduktion in den 1720er Jahren. Er liegt unauffällig an der Burg- straße. Neben der Größe des Herrenhauses verweist das Tor mit dem darüber liegenden Wappen auf die einstige Funktion. Der Name "Neuer Bau" ist wie andere eine spontane, pragmatische zeitgenössische Bezeichnung, da oft nicht systematisch Namen vergeben wurden. In jüngerer Zeit war er auch als Bleimannshof bekannt. Der Hof wurde 1729 von Laurenz Lynen und Johanna Mewis errichtet. Als Messinghütte (=Kupferhof) besaß er vor zweihundert Jahren drei Schmelzöfen, über denen sich ein hoher, flaschenförmiger Kamin, ein so genannter Krug, erhob. Während die Fassade typisch reformiert-puritanisch gestaltet ist, weist die Höhe der Geschosse und des Gesamtgebäudes im Vergleich zum rechten Nachbarhaus dieses als repräsentativen Kupfermeisterbau aus. Der Wappenstein beinhaltete die Wappen der Familien Lynen und Mewis, die entweder gemalt waren oder später getilgt wurden. Dem Neuen Bau folgten nur noch zwei weitere Kupferhöfe, die in Stolberg errichtet wurden.
Fotos: C. Altena